Biogene Heilmittel und deren Überprüfung

Der Denkanstoß für die wissenschaftliche Grundlage der TEH war die steigende Nachfrage nach biogenen Arzneimitteln. Ein Problem in diesem Zusammenhang ist der unkontrollierte Einsatz von biogenen Arzneimitteln und die damit verbundenen Risiken bei Selbstmedikation.

Die wissenschaftliche Arbeit an der Paris- Lodron-Universität Salzburg, Focus Area "BioScience and Health", unternahm den Versuch, ein Anwendungskonzept für traditionelle biogene Arzneimittel, im vorliegendem Fall aus dem Pinzgau, zu erstellen.

Dazu wurden 33 Personen aus der Region mittels qualitativer Interviews zum Thema regionale biogene Arzneimittel befragt.

Art und Einsatz der Arzneimittel sowie die Dauer der Behandlung, der Zusammenhang mit dem Lebensrhythmus und die Weitergabe dieses impliziten Wissens wurden erhoben. Die Wirkungen und Indikationen der erhobenen biogenen Arzneimittel wurden mit den Monographien der Europäischen Arzneimittelkommission ESCOP und der Deutschen Kommission E verglichen. Der Vergleich der regionalen biogenen Arzneimittel mit den Monographien ergab Übereinstimmungen bei 57 Heilpflanzen. Daraus konnte ein Anwendungskatalog erstellt werden, der für diese Heilpflanzen Indikationen, Anwendungsform, Dosierung und Risiken auflistet.

Dieser Anwendungskatalog bietet die Möglichkeit, traditionelle alpine Arzneimittel nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Gesundheitsförderung, Prävention und Therapie einzusetzen.

ESCOP = European Scientific Cooperative on Phytotherapy

1989 wurde die ESCOP mit dem Ziel gegründet harmonisierte Bewertungskriterien für Phytopharmaka in Europa zu schaffen. 

Der ESCOP gehören Mitglieder von Hochschulen und Fachgesellschaften vieler Europäischer Länder an.

 Die ESCOP erarbeitet „harmonisierte“ Bewertungskriterien zur Anwendung von Arzneipflanzen entsprechend den Vorgaben der europäischen Leitlinie über die „Summary of Product Characteristics“.

Anfänglich wurden die ESCOP-Monographien (ESCOP Monographs) in Form von zwei Büchern publiziert (ca. 100 Mono­graphien; Erscheinungsjahr 2003 und 2009 – Thieme Verlag). Die neuen bzw. aktuali­sierten Monographien können heute einzeln auf der Website der ESCOP eingesehen bzw. bestellt werden. 

Die ESCOP-Monographien geben den aktuellen Wissensstand über die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit einer Arzneipflanze bzw. deren Zubereitungen wider. Die Monographien enthalten ein ausführliches Literaturverzeichnis aller verwendeten Quellen zu den einzelnen Aussagen im Text. Beschrieben werden Anwendungsgebiete, pharmakodynamische Eigenschaften, experimentelle Untersuchungen und klinische Studien.

Weitere Informationen unter www.escop.com

 

Kommission E

Von 1983 bis 1994 arbeitete die Kommission E im Auftrag des damaligen Bundesgesundheitsamts (BGA) in Berlin - heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Die Kommission E wurde damals eingesetzt um die Nachzulassung von pflanzlichen Arzneimitteln zu beschleunigen.

Die Kommission E arbeitete das wissenschaftliche Erkenntnismaterial von ca. 380 Drogen inkl. Drogenzubereitungen und Drogenkombinationen auf. Es wurde jeweils eine Abschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses vorgenommen. Wenn der Nutzen einer Droge höher gestellt wurde als das Risiko wurde eine Positivmonographie veröffentlicht.

Auf Grund dieser Positivmonographie wurden pflanzliche Arzneimittel dann zugelassen. Die Monographien enthalten die Dosierung, die Art der Anwendung, Angaben zur Wirkung, Wechselwirkungen und Kontraindikationen.

Pflanzliche Arzneimittel die Drogen mit einer Negativmonographie enthielten mussten vom Markt genommen werden.

Die Kommission E ist heute eine "Zulassungskommission" beim BfArM mit beratender Funktion für den "humanmedizinischen Bereich, phytotherapeutische Therapierichtung".

Liste der Monographien der Kommission E ist unter der nachstehenden Seite abrufbar:

https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/zulassungsarten/besTherap/amPflanz/mono.pdf?__blob=publicationFile&v=3